עברית  |  English  |  smart phone  |  Arabic  |  Deutsch  |  Greek  |  Hungarian  |  






Vloch: "Ich werde einen Brief mit Anweisungen der Dreharbeiten hinterlassen" Fotografiert von:Tomerko  





Vloch: "Wer hätte gedacht, dass ich 20 Jahre später aus freiem Willen mit einer Kamera einen OP-Saal betreten würde" Fotografiert von:Tomerko




Vloch Während der Krankheitsphase





Vloch Vor der Krankheit,Sommer 2003 Zypern (Cyprus)
Fotografiert von:George Pallikaras  






Im Verlauf der Dreharbeiten erkrankte der Urheber der Serie, Tzvika Vloch, an Krebs und wurde vom Fallermittler zur Fallstudie selbst. Foto von: Yosi Aloni


Presse - Operation gelungen, Zuschauer gestorben (vor Spannung)


.

Intro Wahre Augenblick Videoclip

Episode 1   -  "Die nächsten Stunden sind kritisch"   

Episode 2 - Kalter Schweiß  
  
Episode 3 - Die Angst vor der Ungewissheit

Episode 4 - Jeden Tag droht uns der Tod

Episode 5 - Ich möchte, dass mein Junge lebt 

Episode 6   - Tote Menschen können Leben retten

Episode 7   -  Heilendes Gift

 

Tzvika Vloch drehte eine Serie über kranke Menschen und erkrankte selbst an Krebs
 
Der Regisseur und Fotograf, Tzvika Vloch, hatte es nicht geplant an seiner Serie "Wahre Augenblicke" selbst teilzunehmen, in welcher er sieben Patienten während ihrer Hospitalisierung begleitete. Nachdem er an Lymphomkrebs erkrankte, vermengte sich sein persönliches Leben mit den Dreharbeiten und dadurch wurden ihm einige interessante Erkenntnisse über Krankheiten, Ärzte und Hoffnung gewährt.
 
Von: Smadar Shir - Yedioth Ahronoth 21.12.08
 
Der erste Besuch des Fotografen und Regisseurs, Tzvika Vloch, im Krankenhaus endete auf dem Fußboden. Das war vor 30 Jahren in den Vereinigten Staaten, als sich eine Freundin unwohl fühlte und er sie in die Notfallstation begleitete. „Die Krankenschwester sagte, dass sie einen Bluttest mache und fügte hinzu, dass ich draußen warteten könne, falls mir der Anblick zu schwer falle. Ich, der Ex-Soldat der Panzertruppen fühlte mich wirklich beleidigt, dass mir einpaar Bluttropfen etwas ausmachen sollten. Ich blieb im Zimmer und sobald ich die ersten Bluttropfen sah, brach ich zusammen und mit mir stürzten alle medizinischen Geräte in der Umgebung zu Boden. Wer hätte gedacht, dass ich 20 Jahre später aus freiem Willen mit einer Kamera einen OP-Saal betreten würde und diesmal gegen alle Erwartungen nicht in Ohnmacht fallen würde?"
 
Tatsächlich, vor zehn Jahren kehrte Vloch in sein Heimatland Israel zurück, um seinen Vater im ShebaMedicalCenter zu besuchen. „Ich hatte gemerkt, dass meine Anwesenheit im Krankenhaus meinem Vater half und eine neue Intimität zwischen uns aufbaute." sagt er. „Wenn ich die Gelegenheit hatte, mich von seinem Bett zu entfernen und durch die Gänge zu streifen, um da und dort einen Blick in die angrenzenden Zimmer zu werfen, fühlte ich mich wie ein kleiner Junge in einem riesigen Spielzeug- oder Süßigkeitenladen. Ich erkannte gleich die kreativen Möglichkeiten dieser Szene. Später fasste ich den Mut und erklärte offen, dass ich eine Dokumentarfilmserie drehen möchte, in der Art einer israelischen "E.R." Fernsehserie, aber keine inszenierte, sondern eine wirkliche, wo ich selbst keine Ahnung haben würde, was mit dem Patienten geschehen wird, wie auch die Ärzte nicht vorhersagen können, ob ein bestimmter Fall ein trauriges oder ein glückliches Ende haben wird."
 
Seither kehrte Vloch nicht mehr in die USA zurück. Im Laufe der folgenden acht Jahre wanderte er mit der Kamera auf der Schulter, zwischen den verschiedenen Abteilungen einher, sowie in Operationssälen, Warteräumen und Therapiezentren in vier verschiedenen Krankenhäusern in Israel und Zypern, um sieben Patienten im Kampf um ihr Leben zu dokumentieren. Er fühlte sich von der Welt seiner Helden angezogen und widmete seine ganze Zeit für sie, sowohl an Wochenenden als auch an Feiertagen, ohne zu wissen, ob er jemals einen Käufer für seine Doku-Serie finden wird, deren Name bereits in seinem Kopf widerhallte: "wahre Augenblicke".
 
Eine überraschende Wende im Handlungsverlauf
 
Die Geschichte des einundfünfzig-jährigen Vloch nahm eine überraschende Wende, als er selbst an Lymphomkrebs erkrankte und er gegen seine Pläne vom Beobachter zum Beobachteten wurde. Aus seiner gewohnten Position hinter der Kamera trat er nun vor sie hin. „Ich konnte die Kamera nicht mehr halten." sagt er beinahe entschuldigend. „Sie war mir zu schwer. Während der Chemotherapie konnte ich nicht einmal eine Tasse Kaffee halten."
 
Das war vor vier Jahren. Mitten in den Dreharbeiten beschwerte sich Vloch über Nachtschweiß und ein allgemeines Schwächegefühl. Seine Hausärztin diagnostizierte Mononukleose und sagte ihm, dass dies vorübergehend sei. Als er sich nach einiger Zeit immer noch nicht besser fühlte, begann er sich Sorgen zu machen. Eines Morgens erwachte er mit einem erstickenden Gefühl im Hals. Er meinte, dass er nur etwas Antibiotika benötige, jedoch ein kurzer Blick des Arztes genügte und er wurde sofort ins Krankenhaus eingewiesen.
 
„Ich fragte den Arzt, ob es Krebs sei und er antwortete: Es scheint so, ich bin mir nicht sicher, es kann sich auch um eine Infektion handeln. So nahm ich an, dass ich eine Infektion hatte." erinnerte sich Vloch. „Warum sollte ich glauben, es sei Krebs? In Tel Hashomer wurde mir unter einer Teilnarkose von meinem Hals eine Biopsie genommen und ich hörte die Ärzte sprechen. Auf meine Frage erklärten sie mir, dass ein bösartiger Tumor hart und klebrig sei. Am Ende der Prozedur sagte der Arzt: Es tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, aber es war sehr klebrig. Da habe ich begriffen, dass es sich nicht um eine Infektion handelt. Am nächsten Tag wurde ich in die Hämatologie-Abteilung geschickt und der Arzt begann das Gespräch mit: Ich habe keine gute Nachricht. Von dem Moment an war mein Leben verändert."  
 
Was war Ihre Reaktion auf die Diagnose?
 
„Das war wie ein Todesurteil. Ich hörte ermunternde Sätze wie: "verlieren Sie die Hoffnung nicht", aber im Großen und Ganzen schrieb man mir nicht viele Chancen zu. Ich war mit einem sehr aggressiven Lymphomkrebs befallen und mein ganzer Körper war bereits voller Metastasen. Doch zu einer bestimmten Phase, hatte ich mich entschlossen, mich mit meinem ganzen Vermögen dagegen zu wehren. Ich sagte mir, dass ich noch nie bei einer Lotterie gewonnen hätte und ich vielleicht diesmal Glück hätte. Die Geschichten, welche ich durch die Linse festgehalten hatte, machten mir verständlich, dass zur Genesung von Krebs eine gute medizinische Behandlung nicht genügt – ich brauchte außerdem auch Glück, viel Glück."
 
„Ich hatte es nicht vor, zum achten Helden des Films zu werden, aber so ist es geschehen. Nach meiner ersten Behandlung erklärte man mir, dass innerhalb von zwei Wochen meine langen Haare ausfallen würden, welche mir bis auf die Mitte des Rückens reichten. Da beschloss ich, meine Haare zu schneiden. Wir machten daraus eine familiäre Zeremonie,  welche mein Neffe filmte."
 
„Später, als ich realisierte, dass ich auch an der Serie teilnehmen würde, fühlte ich mich bei den Überlegungen der Aufnahmewinkel besser. An den Tagen, da Atombomben in meinen Körper geschossen wurden, halfen mir diese Gedanken, bei klarem Verstand zu bleiben und gaben mir einen Grund zu leben."
 
Seine Schwester, Zahava Shilon, die Frau von Yigal Shilon, drängte, einen Knochenmark-Spender zu finden, aber ich zog es vor, zu warten. Wozu die Eile? Ich wollte mich einer autologen Knochenmarktransplantation unterziehen. Nach der Chemotherapie, wurde von meinem Knochenmark drei Biopsien genommen. Die Dritte fiel negativ aus, worauf Stammzellen entnommen wurden. Nachdem diese eingefroren wurden, wurden sie meinem Körper zurückgegeben. Es wird vermutet, dass dies die optimale Lösung ist, da mein Körper die körpereigenen Zellen nicht abstoßen wird."
 
Haben Sie jemals in Betracht gezogen, dass Sie möglicherweise nicht mehr leben, wenn diese Episode gesendet wird?
 
„Natürlich. Ich war klar und nüchtern. Ich sagte mir, wenn ich überlebe, werde ich sie sehen und wenn ich merke, dass sich mein Zustand verschlechtert, werde ich einen Brief mit Anweisungen der Dreharbeiten hinterlassen."
  
Es besteht immer eine Hoffnung
 
Heute wird im ersten israelischen Fernsehsender die siebte und letzte Episode der, von Tzvika Vloch gefilmten, produzierten und geleiteten Serie "Wahre Augenblicke" ausgestrahlt und alle Rätsel gelöst werden. Vlochs Vater, einer der acht Helden der Serie, ist nicht mehr am Leben. Der Todesengel hatte einen weiteren Helden mit sich genommen, dessen Name Vloch anonym zu halten wünschte, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Es ist vielleicht nicht angenehm zu gestehen, aber diese Episoden übertreffen alle Reality-Sendungen, obwohl sie nicht leicht anzusehen sind. Sie sind bewegend, faszinierend und lassen den Betrachter nicht genug bekommen.
 
Es wird noch mehr geben. Vloch hält den Kontakt mit den geheilten Patienten und deren Familien aufrecht, welche ihn an ihren schmerzhaftesten und angstvollsten Augenblicken ihres Lebens teilnehmen ließen. Gleichzeitig besucht auch er regelmäßig alle drei Monate das Krankenhaus zur Nachuntersuchung.
 
„Die Angst besteht noch," sagt er „vor allem vor jeder Untersuchung. Ich bat eben, die Untersuchungen bis zum Abschluss der Serie hinauszuschieben. Zwar sieht die westliche Medizin ein Ausbleiben von fünf Jahren als Heilung an, doch wurde mir bei meiner Knochenmarktransplantation erklärt, dass meine Krebsart dazu neigt, zurückzukehren. Ich fürchte mich nicht vor dem Tod, aber ich will nicht leiden und möchte keine Verlängerung des Lebens, wenn das Leiden unerträglich ist und ich weiß, dass es zu nichts führt. Deshalb versuche ich es zu ignorieren und fahre weiter zu filmen, editieren und zu produzieren. Das ist meine Waffe. Das ist es, was mir hilft, zu überleben."
 
Vloch entwickelte bereits in jungem Alter einen Überlebensmechanismus. Als Sohn von kränklichen Holocaust-Überlebenden vermied er Arztbesuche. „Ich hatte das Gefühl, dass es für mich keinen Grund gab, dorthin zu gehen. Das tat mir nicht gut und das passte nicht zu meinem Charakter." sagt er.
 
In der Sekundarschule erhielt er eine 8 mm Filmkamera und begann dreiminütige Filme zu drehen. Nachdem es ihm nach seinem Militärdienst nicht gelang, sich im Metallbetrieb seines Vaters einzugliedern, reiste er nach Europa und von dort nach Los Angeles und New York, wo er Werbefilme für Rinderfarmen drehte. Im Laufe der Zeit machte er sich einen Namen als Dokumentarfilmproduzent, aber als er seine Kamera in das Sheba Medical Center bringen durfte, merkte er, dass die Wirklichkeit jede Vorstellung und jedes Skript übertrifft.
  
Erinnern Sie sich an die erste Operation, die Sie gefilmt haben?
 
„Wie könnte ich das vergessen? Es war eine Bypass-Operation. Man sagte mir, dass ich einen gewissen Abstand vom sterilen Bereichen einzuhalten hätte. Es wurde überprüft, wohin die Kamera fallen würde, falls ich ohnmächtig würde. Zum Glück stand eine erfahrene Krankenschwester neben mir und passte auf mich auf. Sie sagte: "Atmen Sie tief ein und setzen Sie sich hin." Der Geruch während der ersten Minuten ließen mich beinahe zusammenbrechen, doch hielt ich durch. Man gewöhnt sich daran. Der Mensch ist fähig, sich an noch schlimmere Dinge zu gewöhnen."  
 
Wie wählten Sie die Helden Ihrer Serie?
 
„Ich glaube nicht, dass ich sie gewählt habe. Ich begegnete jemandem, mit dem ich mich verbunden fühlte, filmte ihn und ging damit weiter. Mendy, der Junge, wurde in die Intensivstation eingeliefert, nachdem er bei einem Unfall eine schwere Kopfverletzung erlitten hatte. Seine Eltern waren zwischen seiner Behandlung und der Fürsorge für seine fünf Geschwister, welche allein zu Hause geblieben sind hin und her gerissen. Natalie, das Mädchen aus Zypern wurde mit schweren Zuckungen eingeliefert. Als ihr Vater mich mitten in der Rosch Haschana Festmahlzeit anrief und sagte, er wolle in eine Kirche in Ost-Jerusalem gehen, überlegte ich es mir nicht zweimal und stand vom festlichen Tisch auf. Dies war eine völlige Hingabe. Ich fühlte mich dazu verpflichtet. Was konnte ich ihm sagen, nachdem er mir einen so tiefen Einblick in sein Leben gewährt hatte, dass ich mit Werbefilmen oder Hochzeitsaufnahmen beschäftigt sei?"
 
Warum öffneten Ihnen diese Familien überhaupt ihre Türen und ihre Herzen? Wollten sie eine bleibende Erinnerung?
 
„Nein, sie sahen in mir eine weitere Person, welche sich an ihrem Kampf auf dem endlosen Weg der Genesung beteiligte."
 
Sie verbrachten acht Jahre mit der Kamera auf der Schulter in Krankenhäusern. War das nicht deprimierend?
 
„Nein, selbst als ich krank wurde, war ich nicht deprimiert, denn es bleibt immer eine Hoffnung. Aber das Schwierigste war für mich als Produzent und als Mensch, wenn ich nach Hause ging und nicht fähig war, zu beschreiben, was ich erlebt hatte. Im Fernsehen ist das anders als wenn das Drama innerhalb einer bestimmten Zeitspanne von Musik begleitet präsentiert wird. Meine alltägliche Umgebung kann nicht hören, was ich mache. Nicht wenige Leute sagen, dass ich verrückt sei." 
 
Haben Sie geweint?
 
„Ja, oft. Wann? Zum Beispiel als Natalies Bruder und Schwester aus Zypern gekommen sind und sie an all die Schläuche angeschlossen vorfanden und sich nicht getrauten, sich ihr zu nähern. Ich spürte ihre Tränen und meine Tränen. Ich löste mein Auge nicht vom Sucher, sondern filmte weiter. Wenn ich weine, weiß ich, dass auch der Zuschauer weinen wird." 
 
War dies Ihr Ziel, den Zuschauer zum Weinen zu bringen?
 
„Ganz und gar nicht. Wenn ich morgens aufstehe und das Haus verlasse, ist es nicht mein Wunsch,  Menschen traurig zu machen, aber ich möchte sie bewegen. Es gibt keine größere Freude als die, wenn jemand erfolgreich eine Herz- oder Lungentransplantation überstanden hatte. Wenn es schief läuft, ist dies sehr traurig und wirft Gedanken und Fragen auf. Dies ist dann kein weiterer Film, den man am nächsten Tag vergisst."
  
Wie hielten Sie solch ein langfristiges Projekt finanziell durch?
 
„Ich lebte bescheiden. Ich habe noch nie mit einem Vertrag und einem Budget zu filmen begonnen, sondern nur aus einer inneren Leidenschaft heraus."
 
Was denken Sie nach acht Jahren in diesem Gebiet über die Ärzte?
 
„Sie sind auch nur Menschen. Ich verlange von keinem Arzt, nett zu sein oder mir die Nase zu putzen, doch erwarte ich, dass er seine Arbeit sehr ernst nimmt, was nicht von allen zu sagen ist. Ich sah Ärzte, welche sehr traurig waren. Nach einem Todesfall filmte ich das Ärztepersonal an zwei Beerdigungen, was mich tief bewegte."  
 
Sind alle Krankenschwestern weiße Engel?
 
„Nein. Es gibt solche, welche nur das tun, was von ihnen erwartet wird, was sehr wichtig und wunderbar ist. Es gibt auch solche, welche eine Beziehung mit den Patienten aufbauen. Mein langer Aufenthalt im Krankenhaus hat mich gelehrt, dass die Angehörigen des Patienten die Krankenschwestern unterstützen können und müssen. Im Idealfall sollte jeder Patient eine eigene Krankenschwester zur Seite haben, doch da wir weit davon entfernt sind, besteht keinen Grund, warum der Patient der Krankenschwester läuten soll, um ihm eine Bettpfanne zu bringen. Zum Beispiel habe ich mich nicht damit begnügt, meinem Vater eine Bettpfanne zu bringen, sondern bin mit ihm auf die Toilette gegangen. Ich befürchtete zuerst, dass dies unangenehm sei, da in der Regel die Eltern den Po ihrer Kinder reinigen und dies im umgekehrten Fall eher peinlich ist. Aber ich verließ das Bad mit einem positiven Gefühl.
 
Familienangehörige, die am Bett des Patienten sitzen, können den Krankenschwestern und dem Personal damit helfen, indem sie zuverlässige und genaue Informationen geben und der Patient selbst, muss sich etwas anstrengen. Es ist nicht gut für ihn, wie ein Klotz im Bett zu liegen und auf den Todesengel zu warten. Tun Sie etwas. Verjagen Sie ihn, indem Sie sich nicht wie ein Kranker benehmen."
 
„Ich fühlte mich weniger krank"
 
Vloch probierte diesen letzten Ratschlag selbst aus. „Nach beendeter Biopsie wurde ich in die Abteilung für Innere Medizin gebracht, doch da es im Raum keinen Platz mehr hatte, ließ man mich im Gang draußen. Hier konnte ich sehen, wer ein und aus ging. Ich regelte den Verkehr und erstattete dem Abteilungsleiter jeden Morgen meinen Bericht. Auf diese Weise fühlte ich mich weniger krank und hilflos.
 
Es gab auch schwarzen Humor. Bei einem jener makabren Augenblicke wurde Vloch bei einem tiefen Zigarettenzug gefilmt, einem Laster, von welchem er sich noch nicht befreien konnte. Er sagte zynisch in die Kamera: "Was kann mir schon passieren? Werde ich etwa Krebs bekommen?"
 
Haben Ihnen Ihre Erfahrungen als Dokumentator geholfen?
 
„Sehr viel. Zunächst einmal lernte ich alle Abteilungen und Korridore des Krankenhauses kennen. Das ist ein großer und furchterregender Ort, wo man sich leicht verirren kann. Außerdem lernte ich, dass es wichtig ist, sich über mögliche Nebenwirkungen zu erkundigen, um nicht in Panik zu geraten, wenn sie auftreten. Heute weiß ich auch, wie ich medizinische Informationen und Ratschläge erhalten kann, aber sonst lag ich wie alle anderen Patienten im Bett und blickte den Arzt von unten nach oben an. Das Gefühl der Abhängigkeit ist entsetzlich."
  
Seien Sie ehrlich – hatten Sie Angst, angesteckt zu werden, als Sie das Krankenhaus als Kameramann betraten?
 
„Nein. Jetzt habe ich den Drang, einen Film zu drehen, wie man Millionär wird. Vielleicht wird das Geld an mir hängen bleiben."

+ Einen Kommentar hinzufügen
Kommentare
Loading Laden...